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Art. I
Art. II
Art. III
Art. IV
Art. V
Art. VI
Art. VII
Art. VIII
Art. IX
Art. X
Art. XI
Art. XII
Art. XIII
Art. XIV
Art. XV
Art. XVI

Der französische und englische Wortlaut dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise verbindlich.


  Erläuternde Anmerkungen zu den Regeln und dem Code des Seearbeitsübereinkommen

1. Diese erläuternden Anmerkungen, die nicht Bestandteil des Seearbeitsübereinkommens sind, sollen als allgemeine Anleitung zu dem Übereinkommen dienen.

2. Das Übereinkommen umfasst drei verschiedene, aber zusammenhängende Teile: die Artikel, die Regeln und den Code.

3. Die Artikel und Regeln legen die grundlegenden Rechte und Prinzipien sowie die grundlegenden Verpflichtungen der Mitglieder dar, die das Übereinkommen ratifizieren. Die Artikel und Regeln können von der Konferenz nur im Rahmen von Artikel 19 der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation geändert werden (siehe Artikel XIV des Übereinkommens).

4. Der Code enthält die Einzelheiten zur Durchführung der Regeln. Er umfasst den Teil A (verbindliche Normen) und den Teil B (nichtverbindliche Leitlinien). Der Code kann durch das in Artikel XV des Übereinkommens vorgesehene vereinfachte Verfahren geändert werden. Da der Code die Einzelheiten der Durchführung betrifft, müssen dessen Änderungen im allgemeinen Geltungsbereich der Artikel und Regeln bleiben.

5. Die Regeln und der Code sind in die folgenden fünf Titel gegliedert:

Titel 1:
Mindestanforderungen für die Arbeit von Seeleuten auf Schiffen
Titel 2:
Beschäftigungsbedingungen
Titel 3:
Unterkünfte, Freizeiteinrichtungen, Verpflegung einschliesslich Bedienung
Titel 4:
Gesundheitsschutz, medizinische Betreuung, soziale Betreuung und Gewährleistung der sozialen Sicherheit
Titel 5:
Erfüllung und Durchsetzung

6. Jeder Titel enthält Gruppen von Bestimmungen, die sich auf ein bestimmtes Recht oder Prinzip (oder eine bestimmte Durchsetzungsmassnahme in Titel 5) beziehen, mit zusammenhängender Nummerierung. Die erste Gruppe in Titel 1 beispielsweise besteht aus der Regel 1.1, der Norm A1.1 und der Leitlinie B1.1 zum Mindestalter.

7. Das Übereinkommen dient drei Zwecken:

a)
in seinen Artikeln und Regeln einen festen Katalog von Rechten und Prinzipien festzulegen;
b)
durch den Code ein erhebliches Mass an Flexibilität bei der Art und Weise zu ermöglichen, wie die Mitglieder diese Rechte und Prinzipien umsetzen;
c)
durch Titel 5 sicherzustellen, dass die Rechte und Prinzipien ordnungsgemäss eingehalten und durchgesetzt werden.

8. Es gibt zwei Hauptbereiche für Flexibilität bei der Durchführung: einer betrifft die einem Mitglied eingeräumte Möglichkeit, soweit erforderlich (siehe Art. VI Abs. 3), die detaillierten Anforderungen des Teils A des Codes durch im Wesentlichen gleichwertige Regelungen (im Sinne des Art. VI Abs. 4) umzusetzen.

9. Der zweite Bereich für Flexibilität bei der Durchführung wird dadurch geboten, dass die verbindlichen Anforderungen vieler Bestimmungen in Teil A allgemeiner abgefasst sind, so dass sich hinsichtlich der genauen Massnahmen, die auf der innerstaatlichen Ebene vorzusehen sind, ein grösserer Ermessensspielraum ergibt. In solchen Fällen werden die Anleitungen zur Durchführung in dem nichtverbindlichen Teil B des Codes gegeben. Auf diese Weise können die Mitglieder, die dieses Übereinkommen ratifiziert haben, die Art von Massnahmen ermitteln, die von ihnen im Rahmen der entsprechenden allgemeinen Verpflichtung in Teil A erwartet werden könnten, sowie Massnahmen, die nicht unbedingt erforderlich wären. So sind nach der Norm A4.1 alle Schiffe verpflichtet, unverzüglichen Zugang zu den notwendigen Medikamenten für die medizinische Betreuung an Bord (Abs. 1 Bst. b)) zu gewähren und «eine Schiffsapotheke mitzuführen» (Abs. 4 Bst. a)). Die Erfüllung dieser letztgenannten Verpflichtung in gutem Glauben bedeutet eindeutig mehr, als dass auf jedem Schiff lediglich eine Schiffsapotheke vorhanden ist. Genauere Angaben zu den damit verbundenen Anforderungen, um sicherzustellen, dass der Inhalt der Schiffsapotheke ordnungsgemäss aufbewahrt, verwendet und in Stand gehalten wird, sind in der entsprechenden Leitlinie B4.1.1 (Abs. 4) enthalten.

10. Die Mitglieder, die dieses Übereinkommen ratifiziert haben, sind an die betreffenden Leitlinien nicht gebunden, und die Überprüfungen würden sich, wie in den Bestimmungen in Titel 5 über die Hafenstaatkontrolle angegeben, nur auf die einschlägigen Anforderungen dieses Übereinkommens (Artikel, Regeln und die Normen in Teil A) erstrecken. Die Mitglieder sind jedoch nach Artikel VI Absatz 2 verpflichtet, die Erfüllung ihrer Verantwortlichkeiten nach Teil A des Codes in der in Teil B vorgesehenen Weise gebührend in Erwägung zu ziehen. Wenn ein Mitglied nach gebührender Prüfung der einschlägigen Leitlinien beschliesst, andere Vorkehrungen vorzusehen, durch die die ordnungsgemässe Aufbewahrung, Verwendung und Instandhaltung des Inhalts der Schiffsapotheke, um das oben angeführte Beispiel zu nehmen, sichergestellt wird, wie von der Norm in Teil A verlangt, so ist dies akzeptabel. Wenn dagegen die in Teil B gegebenen Leitlinien befolgt werden, können das betreffende Mitglied sowie die für die Überprüfung der Durchführung der internationalen Arbeitsübereinkommen verantwortlichen Gremien der IAO ohne weiteres sicher sein, dass die Vorkehrungen, die das Mitglied getroffen hat, ausreichen, um die Verantwortlichkeiten gemäss Teil A, auf die sich die Leitlinie bezieht, zu erfüllen.

  Die Regeln und der Code

  Titel 1 Mindestanforderungen für die Arbeit von Seeleuten auf Schiffen

Regel 1.1 Mindestalter
Regel 1.2 Ärztliches Zeugnis
Regel 1.3 Ausbildung und Befähigungen
Regel 1.4 Anwerbung und Arbeitsvermittlung

Zweck: Sicherzustellen, dass Seeleute Zugang zu einem wirksamen und gut geregelten Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungssystem haben

1. Alle Seeleute müssen Zugang zu einem wirksamen, angemessenen und transparenten System haben, das es ihnen ermöglicht, für sie unentgeltlich eine Beschäftigung auf einem Schiff zu finden.

2. Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Seeleute, die im Hoheitsgebiet eines Mitglieds tätig sind, haben den im Code enthaltenen Normen zu entsprechen.

3. Jedes Mitglied hat in Bezug auf Seeleute, die auf Schiffen unter seiner Flagge tätig sind, vorzuschreiben, dass Reeder, die Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Seeleute in Anspruch nehmen, die sich in Ländern oder Gebieten befinden, in denen dieses Übereinkommen nicht durchgeführt wird, sicherstellen, dass diese Dienste den im Code enthaltenen Anforderungen entsprechen.

Norm A1.4 Anwerbung und Arbeitsvermittlung

1. Jedes Mitglied, das einen öffentlichen Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienst betreibt, hat sicherzustellen, dass der Dienst in ordnungsgemässer Weise betrieben wird und dass von ihm die in dem Übereinkommen vorgesehenen Beschäftigungsrechte der Seeleute geschützt und gefördert werden.

2. Falls im Hoheitsgebiet eines Mitglieds private Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste tätig sind, deren Hauptzweck die Anwerbung und Vermittlung von Seeleuten ist oder die eine erhebliche Anzahl von Seeleuten anwerben und vermitteln, dürfen Übereinstimmung mit einem vereinheitlichten Bewilligungs- oder Zulassungssystem oder einer anderen Art der Regulierung betrieben werden. Dieses System darf nur nach Beratung mit den in Betracht kommenden Verbänden der Reeder und der Seeleute eingerichtet, geändert oder umgestellt werden. Im Zweifelsfall hat die zuständige Stelle jedes Mitglieds nach Anhörung der in Betracht kommenden Verbände der Reeder und der Seeleute zu entscheiden, ob dieses Übereinkommen auf private Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste Anwendung findet. Eine übermässige Ausbreitung solcher privater Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste darf nicht gefördert werden.

3. Die Bestimmungen von Absatz 2 dieser Norm gelten auch, soweit sie von der zuständigen Stelle in Beratung mit den in Betracht kommenden Verbänden der Reeder und der Seeleute als angemessen beurteilt werden, im Fall von Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten, die von einem Seeleuteverband im Gebiet eines Mitglieds zur Vermittlung von Seeleuten, die Staatsangehörige dieses Mitglieds sind, auf Schiffen unter seiner Flagge betrieben werden. Die Dienste, für die dieser Absatz gilt, sind diejenigen, die die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

a)
der Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienst wird gemäss einem zwischen diesem Verband und einem Reeder geschlossenen Gesamtarbeitsvertrag betrieben;
b)
sowohl der Seeleuteverband als auch der Reeder sind im Gebiet des Mitglieds ansässig;
c)
das Mitglied verfügt über innerstaatliche Rechtsvorschriften oder ein Verfahren für die Genehmigung oder Eintragung des Gesamtarbeitsvertrags, die den Betrieb des Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienstes gestatten;
d)
der Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienst wird ordnungsgemäss betrieben, und es bestehen Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Beschäftigungsrechte der Seeleute, die jenen vergleichbar sind, die in Absatz 5 dieser Norm vorgesehen sind.

4. Die Bestimmungen dieser Norm oder der Regel 1.4 sind nicht so auszulegen, als:

a)
hinderten sie ein Mitglied an der Aufrechterhaltung eines unentgeltlichen öffentlichen Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienstes für Seeleute im Rahmen einer Politik zur Befriedigung der Bedürfnisse der Seeleute und der Reeder, gleich ob der Dienst Teil eines öffentlichen Arbeitsvermittlungsdienstes für alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist oder mit diesem koordiniert ist; oder
b)
verpflichteten sie ein Mitglied zur Einrichtung eines Systems von privaten Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten in seinem Hoheitsgebiet.

5. Ein Mitglied, das ein in Absatz 2 dieser Norm genanntes System einrichtet, hat durch seine innerstaatlichen Rechtsvorschriften oder durch andere Massnahmen mindestens

a)
zu verbieten, dass die Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste Mittel, Verfahren oder Listen verwenden, die dazu bestimmt sind, Seeleute an der Erlangung einer Beschäftigung, für die sie qualifiziert sind, zu hindern oder sie davon abzuhalten;
b)
zu verlangen, dass von den Seeleuten weder unmittelbar noch mittelbar Gebühren oder sonstige Kosten für die Anwerbung oder Beschäftigung von Seeleuten ganz oder teilweise zu tragen sind, mit Ausnahme der Kosten für die Beschaffung eines nationalen gesetzlich vorgeschriebenen ärztlichen Zeugnisses, des nationalen Seefahrtbuchs und eines Reisepasses oder ähnlichen persönlichen Reiseausweises, nicht jedoch die Kosten für Visa, die vom Reeder zu tragen sind;
c)
sicherzustellen, dass die in seinem Hoheitsgebiet tätigen Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste:
i)
ein auf dem neuesten Stand befindliches Verzeichnis aller durch sie angeworbenen oder vermittelten Seeleute führen, das der zuständigen Stelle zur Prüfung zugänglich sein muss,
ii)
gewährleisten, dass die Seeleute über ihre Rechte und Pflichten aufgrund ihres Beschäftigungsvertrags vor oder während der Einstellung informiert werden und dass entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, damit die Seeleute ihre Beschäftigungsverträge vor und nach der Unterzeichnung prüfen können und damit sie eine Kopie der Beschäftigungsverträge erhalten,
iii)
sich vergewissern, dass alle durch sie angeworbenen oder vermittelten Seeleute qualifiziert sind, die für die betreffende Tätigkeit erforderlichen Dokumente besitzen und die Beschäftigungsverträge den geltenden Rechtsvorschriften und einem etwaigen Gesamtarbeitsvertrag, der Bestandteil des Beschäftigungsvertrags ist, entsprechen,
iv)
soweit praktisch durchführbar sicherstellen, dass der Reeder die Mittel hat, um die Seeleute davor zu schützen, dass sie in einem ausländischen Hafen zurückgelassen werden,
v)
jede Beschwerde betreffend ihre Tätigkeiten prüfen und darauf reagieren und die zuständige Stelle von jeder nicht geregelten Beschwerde in Kenntnis setzen,
vi)
ein Schutzsystem mittels einer Versicherung oder einer gleichwertigen geeigneten Massnahme einrichten, um Seeleute für finanzielle Verluste zu entschädigen, die ihnen infolge des Versäumnisses eines Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienstes oder des betreffenden Reeders aufgrund des Beschäftigungsvertrags für Seeleute, seine Verpflichtungen ihnen gegenüber zu erfüllen, entstehen können.

6. Die zuständige Stelle hat alle im Hoheitsgebiet des betreffenden Mitglieds tätigen Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste genau zu überwachen und zu kontrollieren. Konzessionen oder Bewilligungen oder ähnliche Zulassungen für die Tätigkeiten von privaten Diensten im Hoheitsgebiet werden erst erteilt oder erneuert, nachdem festgestellt worden ist, dass der betreffende Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienst für Seeleute den Anforderungen der innerstaatlichen Rechtsvorschriften entspricht.

7. Die zuständige Stelle hat sicherzustellen, dass angemessene Einrichtungen und Verfahren für die Untersuchung, falls erforderlich, von Beschwerden über die Tätigkeiten von Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten bestehen, an denen gegebenenfalls Vertreter der Reeder und der Seeleute beteiligt werden.

8. Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, hat seine Staatsangehörigen nach Möglichkeit über die Probleme zu unterrichten, die sich bei der Anheuerung auf einem Schiff ergeben können, das die Flagge eines Staats führt, der das Übereinkommen nicht ratifiziert hat, bis es die Gewissheit hat, dass Normen angewendet werden, die den in diesem Übereinkommen festgelegten gleichwertig sind. Die von dem Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, zu diesem Zweck getroffenen Massnahmen dürfen mit dem Grundsatz der Freizügigkeit der Arbeitnehmer, wie er in den gegebenenfalls für beide beteiligten Staaten verbindlichen Verträgen niedergelegt ist, nicht im Widerspruch stehen.

9. Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, hat vorzuschreiben, dass Reeder von Schiffen unter seiner Flagge, die Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Seeleute mit Sitz in Ländern oder Gebieten nutzen, in denen dieses Übereinkommen nicht durchgeführt wird, soweit wie möglich sicherstellen, dass diese Dienste den Anforderungen dieser Norm entsprechen.

10. Diese Norm ist nicht so auszulegen, als würden dadurch die Pflichten und Verantwortlichkeiten des Reeders oder eines Mitglieds hinsichtlich der Schiffe unter seiner Flagge verringert.

Leitlinie B1.4 Anwerbung und Arbeitsvermittlung

Leitlinie B1.4.1 Organisatorische und operative Leitlinien

1. Bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen nach der Norm A1.4 Absatz 1 sollte die zuständige Stelle erwägen:

a)
die erforderlichen Massnahmen zu treffen, um eine wirksame Zusammenarbeit zwischen den Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten zu fördern, gleich ob es sich um öffentliche oder private Dienste handelt;
b)
bei der Entwicklung von Ausbildungsprogrammen für Seeleute, die Teil der für den sicheren Schiffsbetrieb und die Verhütung von Umweltverschmutzungen zuständigen Schiffsbesatzung sind, den Bedürfnissen der Seeschifffahrt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene unter Beteiligung der Reeder, der Seeleute und der in Frage kommenden Ausbildungseinrichtungen Rechnung zu tragen;
c)
geeignete Vorkehrungen für die Mitarbeit der repräsentativen Verbände der Reeder und der Seeleute an der Organisation und Tätigkeit der öffentlichen Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste zu treffen, soweit solche bestehen;
d)
unter gebührender Berücksichtigung des Rechts auf Privatsphäre und der Notwendigkeit des Schutzes der Vertraulichkeit die Bedingungen festzulegen, unter denen persönliche Daten von Seeleuten durch Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste verarbeitet werden dürfen, einschliesslich der Sammlung, Speicherung und Verknüpfung solcher Daten sowie ihrer Weitergabe an Dritte;
e)
über ein Verfahren für die Sammlung und Analyse aller einschlägigen Informationen über den Arbeitsmarkt für Seeleute zu verfügen, einschliesslich des derzeitigen und des voraussichtlichen Angebots an Seeleuten, die als Besatzungsmitglieder arbeiten, gegliedert nach Alter, Geschlecht, Dienstgrad und Qualifikationen sowie den Erfordernissen des Seeschifffahrtssektors, wobei die Sammlung von Daten über Alter und Geschlecht nur für statistische Zwecke oder zur Verwendung im Rahmen eines Programms zur Verhütung von Diskriminierung aufgrund des Alters oder des Geschlechts zulässig ist;
f)
sicherzustellen, dass das Personal, das verantwortlich ist für die Beaufsichtigung der öffentlichen und privaten Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Besatzungsmitglieder, die für den sicheren Schiffsbetrieb und die Verhütung von Umweltverschmutzungen verantwortlich sind, eine angemessene Ausbildung besitzt, samt anerkannter Seefahrtzeiten und einschlägiger Kenntnisse über den Seeschifffahrtssektor, einschliesslich der internationalen Seeschifffahrtsinstrumente über Ausbildung, Befähigungsnachweise und Arbeitsnormen;
g)
für diese Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste Tätigkeitsnormen vorzuschreiben oder zu genehmigen und die Annahme von Verhaltens- und Ehrenkodizes zu fördern;
h)
eine fortlaufende Aufsicht des Genehmigungs- oder Zertifizierungssystems auf der Grundlage eines Systems von Qualitätsnormen zu fördern.

2. Bei der Einrichtung des in der Norm A1.4 Absatz 2 genannten Systems sollte jedes Mitglied erwägen, von den in seinem Hoheitsgebiet eingerichteten Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten zu verlangen, dass sie nachprüfbare Verfahren entwickeln und aufrechterhalten. Diese Verfahren für private Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Seeleute und, soweit anwendbar für öffentliche Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste für Seeleute, sollten sich auf Folgendes erstrecken:

a)
ärztliche Untersuchungen, Ausweise für Seeleute und sonstige Formalitäten, die sie erfüllen müssen, um eine Beschäftigung zu erhalten;
b)
Führung vollständiger Unterlagen über die durch ihr Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungssystem erfassten Seeleute, unter gebührender Berücksichtigung des Rechts auf Privatsphäre und der Notwendigkeit des Schutzes der Vertraulichkeit, die mindestens Folgendes umfassen sollten:
i)
Qualifikationen der Seeleute,
ii)
Beschäftigungsnachweise,
iii)
beschäftigungsrelevante persönliche Angaben,
iv)
beschäftigungsrelevante medizinische Angaben;
c)
Führung auf dem neuesten Stand befindlicher Listen der Schiffe, für die die Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdienste Seeleute vermitteln, und Sicherstellung, dass die Möglichkeit besteht, die Dienste in einem Notfall jederzeit zu erreichen;
d)
Verfahren, die sicherstellen, dass Seeleute von den Anwerbungs- und Arbeitsvermittlungsdiensten für Seeleute oder deren Personal nicht ausgebeutet werden in Bezug auf das Angebot einer Anstellung auf bestimmten Schiffen oder bei bestimmten Unternehmen;
e)
Verfahren, die verhindern, dass durch die Zahlung von Heuervorschüssen oder irgendwelche anderen finanziellen Transaktionen zwischen dem Reeder und den Seeleuten, die über ihn abgewickelt werden, Möglichkeiten zur Ausbeutung von Seeleuten entstehen;
f)
klare Angabe der Kosten, sofern solche entstehen, die von den Seeleuten im Zusammenhang mit dem Anwerbungsverfahren zu tragen sind;
g)
Sicherstellung, dass die Seeleute über alle besonderen Bedingungen, die für die Tätigkeit gelten, für die sie eingestellt werden sollen, und über besondere Reederpolitiken in Bezug auf ihre Beschäftigung unterrichtet werden;
h)
Verfahren für die Behandlung von Fällen von Unfähigkeit oder Disziplinlosigkeit, die mit den Grundsätzen von Recht und Billigkeit, mit der innerstaatlichen Gesetzgebung und Praxis und gegebenenfalls mit den Gesamtarbeitsverträgen im Einklang stehen;
i)
Verfahren, die sicherstellen, soweit dies praktisch möglich ist, dass alle im Hinblick auf die Beschäftigung vorgelegten obligatorischen Befähigungsnachweise und ärztlichen Bescheinigungen der Seeleute dem neuesten Stand entsprechen und nicht auf betrügerische Weise erlangt worden sind und dass berufliche Referenzen nachgeprüft werden;
j)
Verfahren, die sicherstellen, dass Ersuchen um Informationen oder Rat durch die Familien von Seeleuten, während die Seeleute auf See sind, unverzüglich, wohlwollend und unentgeltlich behandelt werden;
k)
Nachprüfung, dass die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen, auf die Seeleute vermittelt werden, den anwendbaren, zwischen einem Reeder und einem repräsentativen Verband der Seeleute geschlossenen Gesamtarbeitsverträgen entsprechen, und Vermittlung von Seeleuten grundsätzlich nur an Reeder, die den Seeleuten Beschäftigungsbedingungen bieten, die den geltenden Rechtsvorschriften oder Gesamtarbeitsverträgen entsprechen.

3. Es sollte erwogen werden, die internationale Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und den in Betracht kommenden Organisationen zu fördern, beispielsweise:

a)
den systematischen Informationsaustausch über den Seeschifffahrtssektor und den Arbeitsmarkt für Seeleute auf bilateraler, regionaler und multilateraler Basis;
b)
den Informationsaustausch über die Seearbeitsgesetzgebung;
c)
die Harmonisierung der Politiken, der Arbeitsmethoden und der Gesetzgebung, die für die Anwerbung und Arbeitsvermittlung von Seeleuten massgeblich sind;
d)
die Verbesserung der Verfahren und Bedingungen für die internationale Anwerbung und Arbeitsvermittlung von Seeleuten;
e)
die Arbeitskräfteplanung unter Berücksichtigung des Angebots an Seeleuten und der Nachfrage nach Seeleuten sowie der Bedürfnisse des Seeschifffahrtssektors.

  Titel 2 Beschäftigungsbedingungen

Regel 2.1 Beschäftigungsverträge für Seeleute
Regel 2.2 Heuern
Regel 2.3 Arbeitszeiten und Ruhezeiten
Regel 2.4 Urlaubsanspruch
Regel 2.5 Heimschaffung
Regel 2.6 Entschädigung der Seeleute bei Schiffsverlust oder Schiffbruch
Regel 2.7 Besatzungsstärke der Schiffe
Regel 2.8 Berufliche Entwicklung und Qualifizierung sowie Beschäftigungschancen für Seeleute

Zweck: Förderung der beruflichen Entwicklung und Qualifizierung sowie der Beschäftigungschancen für Seeleute

1. Jedes Mitglied muss über eine innerstaatliche Politik verfügen, um die Beschäftigung im Seeschifffahrtssektor zu stärken und die berufliche Entwicklung und Qualifizierung sowie grössere Beschäftigungschancen für in ihrem Hoheitsgebiet wohnende Seeleute zu fördern.

Norm A2.8 Berufliche Entwicklung und Qualifizierung sowie Beschäftigungschancen für Seeleute

1. Jedes Mitglied muss über eine innerstaatliche Politik verfügen, durch die die berufliche Entwicklung und Qualifizierung sowie Beschäftigungschancen für Seeleute gefördert werden, damit dem Seeschifffahrtssektor beständige und sachkundige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

2. Das Ziel der in Absatz 1 dieser Norm genannten Politik hat darin zu bestehen, Seeleute dabei zu unterstützen, ihre Kompetenzen, Qualifikationen und Beschäftigungschancen zu stärken.

3. Jedes Mitglied hat nach Anhörung der in Betracht kommenden Verbände der Reeder und der Seeleute klare Zielvorgaben für die berufliche Beratung sowie die theoretische und praktische Ausbildung der Seeleute festzulegen, deren Aufgaben an Bord sich in erster Linie auf den sicheren Schiffsbetrieb und die sichere Navigation des Schiffes beziehen, einschliesslich Weiterbildungsmassnahmen.

Leitlinie B2.8 Berufliche Entwicklung und Qualifizierung sowie Beschäftigungschancen für Seeleute

Leitlinie B2.8.1 Massnahmen zur Förderung der beruflichen Entwicklung und Qualifizierung sowie der Beschäftigungschancen für Seeleute

1. Zur Erreichung der in der Norm A2.8 aufgeführten Ziele könnten unter anderem folgende Massnahmen vorgesehen werden:

a)
Vereinbarungen über die berufliche Entwicklung und qualifizierende Ausbildung bei einem Reeder oder einer Gemeinschaft von Reedern; oder
b)
Vorkehrungen für die Förderung der Beschäftigung durch das Anlegen und Führen von Registern oder Verzeichnissen qualifizierter Seeleute, gegliedert nach Kategorien; oder
c)
Förderung von Chancen für die Weiterbildung von Seeleuten sowohl an Bord als auch an Land für Qualifizierung und übertragbare Fertigkeiten, um eine menschenwürdige Arbeit zu finden und beizubehalten, die individuellen Beschäftigungsaussichten zu verbessern und den sich wandelnden technologischen und Arbeitsmarktbedingungen des Seeschifffahrtssektors Rechnung zu tragen.

Leitlinie B2.8.2 Seeleuteregister

1. Richtet sich die Beschäftigung der Seeleute nach Registern oder Verzeichnissen, sollten diese Register und Verzeichnisse in einer von der innerstaatlichen Gesetzgebung oder Praxis oder durch Gesamtarbeitsvertrag bestimmten Weise alle Berufskategorien von Seeleuten enthalten.

2. Den in einem solchen Register oder Verzeichnis eingetragenen Seeleuten sollte bei der Anstellung für eine Beschäftigung auf See der Vorzug gegeben werden.

3. Die in einem solchen Register oder Verzeichnis eingetragenen Seeleute sollten sich in einer von der innerstaatlichen Gesetzgebung oder Praxis oder durch Gesamtarbeitsvertrag bestimmten Weise für die Arbeitsaufnahme zur Verfügung halten müssen.

4. Soweit die innerstaatlichen Rechtsvorschriften dies zulassen, sollte die Zahl der in solchen Registern oder Verzeichnissen eingetragenen Seeleute regelmässig überprüft werden, so dass ein den Erfordernissen des Seeschifffahrtssektors entsprechender Stand erreicht wird.

5. Wird eine Verringerung der Zahl der in einem solchen Register oder Verzeichnis eingetragenen Seeleute erforderlich, so sollten unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Lage des betreffenden Landes alle geeigneten Massnahmen getroffen werden, um nachteilige Auswirkungen für die Seeleute zu vermeiden oder zu mildern.


  Titel 3 Unterkünfte, Freizeiteinrichtungen, Verpflegung einschliesslich Bedienung

Regel 3.1 Unterkünfte und Freizeiteinrichtungen
Regel 3.2 Verpflegung einschliesslich Bedienung

Zweck: Sicherzustellen, dass die Seeleute Zugang zu Nahrungsmitteln und Trinkwasser von guter Qualität unter vorgeschriebenen hygienischen Bedingungen haben

1. Jedes Mitglied hat dafür zu sorgen, dass auf Schiffen unter seiner Flagge genügend Verpflegung und Trinkwasser von geeigneter Qualität und mit geeignetem Nährwert mitgeführt und ausgegeben werden, die den Bedarf des Schiffes ausreichend decken und unterschiedlichen religiösen und kulturellen Gebräuchen Rechnung tragen.

2. Die Seeleute haben während ihrer Tätigkeit an Bord Anspruch auf kostenfreie Verpflegung.

3. Als Schiffsköche beschäftigte Seeleute, die für die Zubereitung von Speisen verantwortlich sind, müssen für ihre Tätigkeiten ausgebildet und qualifiziert sein.

Norm A3.2 Verpflegung einschliesslich Bedienung

1. Jedes Mitglied hat Rechtsvorschriften oder sonstige Massnahmen zu erlassen, um Mindestnormen für die Quantität und Qualität der Verpflegung und des Trinkwassers und für die Anforderungen an die Zubereitung der an die Seeleute auf Schiffen unter seiner Flagge ausgegebenen Speisen vorzusehen und hat Aufklärungsarbeiten zu leisten, um das Bewusstsein für die in diesem Absatz genannten Normen und ihre Umsetzung zu fördern.

2. Jedes Mitglied hat sicherzustellen, dass Schiffe unter seiner Flagge die folgenden Mindestnormen erfüllen:

a)
eine unter Berücksichtigung der Anzahl der Seeleute an Bord, ihrer kulturellen Eigenheiten und religiösen Gebräuche, soweit sie sich auf das Essen beziehen, und der Dauer und Art der Reise nach Menge, Nährwert, Güte und Abwechslung angemessene Versorgung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser;
b)
die Einrichtung und Ausstattung des Verpflegungsdienstes an Bord jedes Schiffes sind so zu gestalten, dass die Seeleute ausreichende, abwechslungsreiche und nahrhafte sowie nach hygienischen Standards zubereitete Mahlzeiten erhalten;
c)
das Personal des Verpflegungsdienstes muss für seine Aufgaben an Bord ordnungsgemäss ausgebildet sein.

3. Reeder müssen sicherstellen, dass als Schiffskoch angestellte Seeleute hierfür ausgebildet und qualifiziert sind und die Anforderungen der innerstaatlichen Rechtsvorschriften des jeweiligen Mitglieds an die Position erfüllen.

4. Die Anforderungen nach Absatz 3 dieser Norm haben den erfolgreichen Abschluss eines von der zuständigen Stelle gebilligten oder anerkannten Lehrgangs zu umfassen, der sich mit praktischen Kenntnissen über die Zubereitung von Speisen, Nahrungsmittel- und persönlicher Hygiene, der Nahrungsmittellagerung, der Kontrolle des Lagerbestands, dem Umweltschutz und der Gesundheit und Sicherheit bei der Verpflegung befasst.

5. An Bord von Schiffen mit einer vorgeschriebenen Mannschaftsstärke von weniger als zehn Personen, die aufgrund der Mannschaftsgrösse oder Einsatzart von der zuständigen Stelle nicht verpflichtet werden, einen voll qualifizierten Koch an Bord zu haben, muss jeder, der in der Küche Speisen zubereitet, eine Ausbildung oder Unterweisung in Bereichen wie Nahrungsmittel- und persönliche Hygiene sowie Handhabung und Lagerung von Verpflegung an Bord erhalten.

6. In aussergewöhnlichen Notfällen kann die zuständige Stelle eine Ausnahmegenehmigung erteilen, die es einem nicht voll qualifizierten Koch gestattet, auf einem bestimmten Schiff während einer bestimmten begrenzten Zeit bis zum nächsten leicht erreichbaren Anlaufhafen oder während eines Zeitraums von höchstens einem Monat zu arbeiten, vorausgesetzt, dass die Person, der die Ausnahmegenehmigung erteilt wird, in Bereichen wie Nahrungsmittel- und persönliche Hygiene sowie Handhabung und Lagerung von Verpflegung an Bord ausgebildet oder unterwiesen wird.

7. In Übereinstimmung mit den Verfahren für die fortlaufende Erfüllung der Anforderungen nach Titel 5 hat die zuständige Stelle vorzuschreiben, dass häufige dokumentierte Überprüfungen durch den Kapitän oder unter seiner Verantwortung durchgeführt werden in Bezug auf:

a)
die Verpflegungs- und Trinkwasservorräte;
b)
alle Räume und Ausrüstungsgegenstände, die der Lagerung von Verpflegung und Trinkwasser dienen;
c)
Küchen und andere Ausrüstungen für die Zubereitung und das Servieren von Speisen.

8. Seeleute unter 18 Jahren dürfen nicht als Schiffskoch beschäftigt oder angeheuert werden oder arbeiten.

Leitlinie B3.2 Verpflegung einschliesslich Bedienung

Leitlinie B3.2.1 Überprüfungen, Ausbildung, Forschung und Veröffentlichungen

1. Die zuständige Stelle sollte in Zusammenarbeit mit anderen in Frage kommenden Behörden und Organisationen die neuesten Informationen über Ernährung und über Einkauf, Lagerung, Aufbewahrung, Zubereitung und Servieren von Speisen unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen an die Verpflegung an Bord von Schiffen sammeln. Diese Informationen sollten den Herstellern und Lieferanten von Schiffsproviant und -ausrüstungen, Kapitänen, Köchen und Stewards sowie den in Betracht kommenden Verbänden der Reeder und der Seeleute kostenlos oder zu angemessenen Kosten zur Verfügung gestellt werden. Hierbei sollten angemessene Formen der Verbreitung genutzt werden, zum Beispiel Handbücher, Broschüren, Plakate, Tabellen oder Anzeigen in Fachzeitschriften.

2. Die zuständige Stelle sollte Empfehlungen zur Vermeidung der Verschwendung von Nahrungsmitteln, zur Einhaltung von angemessenen Hygienestandards sowie zur Sicherstellung eines optimalen Arbeitsumfelds herausgeben.

3. Die zuständige Stelle sollte in Zusammenarbeit mit den einschlägigen Organisationen und Behörden Aufklärungsmaterial und Bordinformationen über die Sicherstellung einer ordnungsgemässen Verpflegung an Bord entwickeln.

4. Die zuständige Stelle sollte mit den in Betracht kommenden Verbänden der Reeder und der Seeleute und mit den nationalen und lokalen Behörden, die sich mit Ernährungs- und Gesundheitsfragen befassen, eng zusammenarbeiten und kann im Bedarfsfall die Dienste dieser Behörden in Anspruch nehmen.

Leitlinie B3.2.2 Schiffsköche

1. Seeleute sollten nur dann als Schiffskoch qualifiziert sein, wenn sie:

a)
eine von der zuständigen Stelle vorzuschreibende Mindestseefahrtzeit erfüllt haben, die unter Berücksichtigung vorhandener relevanter Qualifikationen oder Erfahrung unterschiedlich ausfallen kann;
b)
eine von der zuständigen Stelle vorgeschriebene Prüfung oder eine gleichwertige Prüfung in einem anerkannten Kochkurs bestanden haben.

2. Die vorgeschriebene Prüfung und die Ausstellung der Zeugnisse können entweder unmittelbar durch die zuständige Stelle oder, unter ihrer Aufsicht, durch eine anerkannte Kochschule vorgenommen werden.

3. Die zuständige Stelle sollte die Möglichkeit der Anerkennung von Befähigungszeugnissen vorsehen, die von anderen Mitgliedern, die dieses Übereinkommen oder das Übereinkommen (Nr. 69) über den Befähigungsausweis für Schiffsköche, 1946, ratifiziert haben, oder von anderen anerkannten Stellen ausgestellt worden sind.


  Titel 4 Gesundheitsschutz, medizinische Betreuung, soziale Betreuung und Gewährleistung der sozialen Sicherheit

Regel 4.1 Medizinische Betreuung an Bord und an Land
Regel 4.2 Verpflichtungen der Reeder
Regel 4.3 Schutz der Gesundheit und Sicherheit und Unfallverhütung
Regel 4.4 Zugang zu Sozialeinrichtungen an Land
Regel 4.5 Soziale Sicherheit

Zweck: Sicherzustellen, dass Massnahmen im Hinblick darauf ergriffen werden, dass Seeleute Zugang zu den Systemen der Sozialen Sicherheit haben

1. Jedes Mitglied hat sicherzustellen, dass alle Seeleute und, in dem Umfang, wie dies in seinem innerstaatlichen Recht vorgesehen ist, deren Unterhaltsberechtigte Zugang zu den Systemen der Sozialen Sicherheit in Übereinstimmung mit dem Code haben, wobei bestehende günstigere Regelungen nach Artikel 19 Absatz 8 der Verfassung unberührt bleiben.

2. Jedes Mitglied verpflichtet sich entsprechend seinen innerstaatlichen Gegebenheiten, einzeln oder durch internationale Zusammenarbeit, Massnahmen zu ergreifen, um schrittweise einen umfassenden Schutz der Sozialen Sicherheit für Seeleute zu erreichen.

3. Jedes Mitglied hat sicherzustellen, dass Seeleute, die seiner Gesetzgebung über Soziale Sicherheit unterliegen und, in dem Umfang, wie dies in seinem innerstaatlichen Recht vorgesehen ist, deren Unterhaltsberechtigte einen Anspruch auf Schutz der Sozialen Sicherheit haben, der nicht weniger günstig ist als für Arbeitnehmer an Land.

Norm A4.5 Soziale Sicherheit

1. Bei den Zweigen, die im Hinblick auf das schrittweise Erreichen eines umfassenden Schutzes der Sozialen Sicherheit gemäss Regel 4.5 zu berücksichtigen sind, handelt es sich um die Folgenden: ärztliche Betreuung, Krankengeld, Leistungen bei Arbeitslosigkeit, Leistungen bei Alter, Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, Familienleistungen, Leistungen bei Mutterschaft, Leistungen bei Invalidität und Leistungen an Hinterbliebene, die den Schutz nach Regel 4.1 über medizinische Betreuung und nach Regel 4.2 über die Verpflichtungen der Reeder sowie nach anderen Titeln dieses Übereinkommens ergänzen.

2. Jedes Mitglied hat zum Zeitpunkt der Ratifizierung in Übereinstimmung mit der Regel 4.5 Absatz 1 mindestens für drei der neun in Absatz 1 dieser Norm genannten Zweige der Sozialen Sicherheit Schutz zu gewähren.

3. Jedes Mitglied hat gemäss seinen innerstaatlichen Umständen Schritte zu unternehmen, um den ergänzenden Schutz der Sozialen Sicherheit im Sinne des Absatzes 1 dieser Norm für alle Seeleute bereitzustellen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in seinem Hoheitsgebiet haben. Dieser Verantwortlichkeit könnte zum Beispiel durch geeignete bi- oder multilaterale Übereinkünfte oder durch auf Beiträgen beruhende Systeme entsprochen werden. Der entstehende Schutz soll nicht weniger günstig sein als derjenige, der für die in seinem Hoheitsgebiet wohnenden Arbeitnehmer an Land besteht.

4. Unbeschadet der in Absatz 3 dieser Norm zugewiesenen Verantwortlichkeiten können die Mitglieder durch bi- und multilaterale Übereinkünfte und durch im Rahmen von Organisationen für regionale Wirtschaftsintegration angenommene Vorschriften andere Regeln für die für Seeleute massgebliche Gesetzgebung der Sozialen Sicherheit festlegen.

5. Die Verantwortlichkeiten jedes Mitglieds hinsichtlich der Seeleute auf Schiffen unter seiner Flagge haben denjenigen der Regeln 4.1 und 4.2 und der dazugehörigen Vorschriften des Codes zu entsprechen sowie denjenigen, die gemäss internationalem Recht zu seinen allgemeinen Verpflichtungen gehören.

6. Bei Fehlen eines angemessenen Schutzes in den Zweigen der Sozialen Sicherheit, die in Absatz 1 dieser Norm aufgeführt sind, hat jedes Mitglied anderweitige Systeme in Erwägung zu ziehen, durch die den Seeleuten im Einklang mit der innerstaatlichen Gesetzgebung und Praxis vergleichbare Leistungen gewährt werden.

7. Der nach der Regel 4.5 Absatz 1 zu gewährende Schutz kann je nach den Umständen durch Rechtsvorschriften, durch private Systeme, durch Gesamtarbeitsverträge oder durch eine Verbindung dieser Systeme erfolgen.

8. Soweit dies mit ihrer innerstaatlichen Gesetzgebung und Praxis im Einklang steht, haben die Mitglieder durch bi- oder multilaterale Übereinkünfte oder andere Regelungen zusammenzuarbeiten, um die Wahrung der Ansprüche und Anwartschaften aller Seeleute im Bereich der Sozialen Sicherheit unabhängig von ihrem Wohnsitz sicherzustellen.

9. Jedes Mitglied hat angemessene und wirksame Verfahren für die Beilegung von Streitigkeiten zu schaffen.

10. Jedes Mitglied hat zum Zeitpunkt der Ratifizierung anzugeben, für welche Zweige der Sozialen Sicherheit es die Verpflichtungen nach Absatz 2 dieser Norm übernimmt. Es hat in der Folge den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zu benachrichtigen, wenn es Schutz für einen oder mehrere weitere der in Absatz 1 dieser Norm genannten Zweige gewährt. Der Generaldirektor hat ein Verzeichnis dieser Informationen zu führen, das allen interessierten Parteien zugänglich zu sein hat.

11. Die Berichte an das Internationale Arbeitsamt nach Artikel 22 der Verfassung haben auch Informationen über die nach der Regel 4.5 Absatz 2 unternommenen Schritte zur Ausweitung des Schutzes auf andere Zweige der Sozialen Sicherheit zu enthalten.

Leitlinie B4.5 Soziale Sicherheit

1. Der zum Zeitpunkt der Ratifizierung in Übereinstimmung mit der Norm A4.5 Absatz 2 zu gewährende Schutz sollte mindestens die Zweige ärztliche Betreuung, Krankengeld und Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten einschliessen.

2. Unter den in der Norm A4.5 Absatz 6 erwähnten Umständen könnten vergleichbare Leistungen durch Versicherungen, bi- und multilaterale Vereinbarungen oder andere wirksame Mittel erbracht werden, wobei die Bestimmungen in anwendbaren Gesamtarbeitsverträgen zu berücksichtigen sind. Wo solche Massnahmen getroffen werden, sollten die Seeleute, die unter solche Massnahmen fallen, über die Mittel informiert werden, mit deren Hilfe die Leistungen der verschiedenen Zweige der Sozialen Sicherheit gewährt werden.

3. Soweit Seeleute mehr als einer nationalen Gesetzgebung über Soziale Sicherheit unterliegen, sollten die betreffenden Mitglieder zusammenarbeiten, um durch gegenseitige Vereinbarungen zu bestimmen, welche der Gesetzgebungen Anwendung findet, wobei Faktoren wie Art und Höhe des Schutzes nach den jeweiligen Gesetzgebungen, der für die betreffenden Seeleute günstiger ist, sowie die Wünsche der Seeleute berücksichtigt werden sollten.

4. Die nach der Norm A4.5 Absatz 9 vorzusehenden Verfahren sollten so beschaffen sein, dass durch sie alle Streitigkeiten hinsichtlich der Ansprüche der betreffenden Seeleute erfasst werden, unabhängig davon, auf welche Weise der Schutz erfolgt.

5. Jedes Mitglied mit inländischen Seeleuten, ausländischen Seeleuten oder beiden an Bord von Schiffen unter seiner Flagge sollte den im Übereinkommen vorgesehenen Schutz der Sozialen Sicherheit gewähren, soweit anwendbar, und sollte in regelmässigen Abständen die in der Norm A4.5 Absatz 1 genannten Zweige der Sozialen Sicherheit überprüfen, um weitere Zweige zu ermitteln, die für die betreffenden Seeleute in Frage kommen können.

6. Der Beschäftigungsvertrag für Seeleute sollte Angaben darüber enthalten, wie der Schutz durch die verschiedenen Zweige der Sozialen Sicherheit den Seeleuten vom Reeder gewährleistet wird, sowie alle anderen dem Reeder zugänglichen einschlägigen Informationen, wie gesetzliche Abzüge von den Heuern der Seeleute und Beiträge der Reeder, die gemäss den Erfordernissen der näher bezeichneten ermächtigten Stellen nach Massgabe der einschlägigen innerstaatlichen Systeme der Sozialen Sicherheit vorgenommen werden können.

7. Das Mitglied, dessen Flagge das Schiff führt, sollte sich bei der wirksamen Ausübung seiner Hoheitsgewalt über soziale Angelegenheiten vergewissern, dass der Reeder seinen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Sozialschutz nachkommt, einschliesslich der Zahlung der vorgeschriebenen Beiträge an die Systeme der Sozialen Sicherheit.


  Titel 5 Erfüllung und Durchsetzung

1. Die Regeln in diesem Titel bestimmen die Verantwortung jedes Mitglieds dafür, die in den Artikeln dieses Übereinkommens festgelegten Grundsätze und Rechte sowie die unter seinen Titeln 1, 2, 3 und 4 vorgesehenen besonderen Verpflichtungen in vollem Umfang einzuhalten und durchzusetzen.

2. Die Absätze 3 und 4 von Artikel VI, die die Durchführung des Teils A des Codes durch im Wesentlichen gleichwertige Regelungen gestatten, gelten nicht für Teil A des Codes in diesem Titel.

3. Gemäss Absatz 2 von Artikel VI hat jedes Mitglied seine Verantwortlichkeiten aufgrund der Regeln in der in den entsprechenden Normen von Teil A des Codes dargelegten Weise zu erfüllen, wobei die entsprechenden Leitlinien in Teil B des Codes gebührend zu berücksichtigen sind.

4. Die Bestimmungen dieses Titels sind unter Berücksichtigung der Tatsache durchzuführen, dass Seeleute und Reeder wie alle anderen Personen vor dem Gesetz gleich sind und Anspruch auf den gleichen Rechtsschutz haben und bei ihrem Zugang zu Gerichten oder anderen Streitbeilegungsmechanismen nicht diskriminiert werden dürfen. Die Bestimmungen dieses Titels begründen keine materielle oder territoriale Gerichtszuständigkeit.

Regel 5.1 Verantwortlichkeiten des Flaggenstaats
Regel 5.1.1 Allgemeine Grundsätze
Regel 5.1.2 Ermächtigung anerkannter Organisationen
Regel 5.1.3 Seearbeitszeugnis und Seearbeits-Konformitätserklärung
Regel 5.1.4 Überprüfung und Durchsetzung
Regel 5.1.5 Beschwerdeverfahren an Bord
Regel 5.1.6 Seeunfälle
Regel 5.2 Verantwortlichkeiten des Hafenstaates
Regel 5.2.1 Überprüfungen im Hafen
Regel 5.2.2 Verfahren für die Behandlung von Beschwerden von Seeleuten an Land
Regel 5.3 Verantwortlichkeiten im Bereich der Vermittlung von Arbeitskräften
Fichier unique

Art. I
Art. II
Art. III
Art. IV
Art. V
Art. VI
Art. VII
Art. VIII
Art. IX
Art. X
Art. XI
Art. XII
Art. XIII
Art. XIV
Art. XV
Art. XVI

Le versioni francese e inglese del testo della presente Convenzione fanno ugualmente fede.


  Nota esplicativa sui Regolamenti e sul Codice della Convenzione sul lavoro marittimo

1. La presente nota non fa parte della Convenzione sul lavoro marittimo. Essa è destinata solo a facilitare la lettura.

2. La Convenzione si compone di tre parti distinte ma collegate tra loro, cioè gli articoli, i Regolamenti ed il Codice.

3. Gli articoli ed i Regolamenti enunciano i diritti ed i principi fondamentali nonché gli obblighi fondamentali degli Stati Membri che abbiano ratificato la Convenzione. Essi possono essere modificati solo dalla Conferenza Generale sulla base dell’articolo 19 della Costituzione dell’OIL (si veda l’articolo XIV della Convenzione).

4. Il Codice indica come devono essere applicate le norme. Si compone di una parte A (Norme obbligatorie) e di una parte B (Linee guida non obbligatorie). Il Codice può essere emendato attraverso della procedura semplificata di cui all’articolo XV della Convenzione. Dal momento che contiene informazioni dettagliate su come le disposizioni dovrebbero essere attuate, le modifiche che saranno eventualmente apportate non devono ridurre la portata generale degli articoli e dei Regolamenti.

5. Le disposizioni dei Regolamenti e del Codice sono raggruppate sotto i cinque Titoli seguenti:

Titolo 1:
Prescrizioni minime per il lavoro dei marittimi a bordo di una nave
Titolo 2:
Condizioni di impiego
Titolo 3:
Alloggi, strutture ricreative, vitto e servizio di catering
Titolo 4:
Tutela della salute, assistenza medica, assistenza sociale e protezione della sicurezza sociale
Titolo 5:
Adempimento e applicazione delle disposizioni.

6. Ogni titolo contiene gruppi di disposizioni relative ad un diritto o un principio (o una misura di attuazione per il Titolo 5), con una numerazione corrispondente. Di conseguenza, il primo gruppo del Titolo 1 include il Regolamento 1.1 , la Norma A1.1 e la Linea guida B1.1 (concernenti l’età minima).

7. La Convenzione ha tre obiettivi sottesi:

a)
definire (nei suoi articoli o regolamenti) un insieme solido di diritti e principi;
b)
consentire agli Stati Membri (grazie alle disposizioni del Codice) una maggiore flessibilità nel modo in cui essi attuano tali diritti e principi; e
c)
garantire (in virtù del Titolo 5) che i diritti ed i principi siano correttamente osservati ed applicati.

8. La flessibilità di applicazione risulta principalmente da due elementi: il primo è la facoltà concessa a ciascun Stato Membro, se del caso (articolo VI paragrafo 3), di dare attuazione alle disposizioni dettagliate della parte A del Codice mettendo in pratica misure sostanzialmente equivalenti (come definito all’articolo VI paragrafo 4).

9. Il secondo elemento di flessibilità risiede nelle prescrizioni obbligatorie di molte delle disposizioni della parte A, che sono definiti in modo più generale, consentendo una maggiore flessibilità in fatto di misure specifiche da adottare a livello nazionale. In questi casi, gli orientamenti per l’attuazione sono date nella parte B, non obbligatoria, del Codice. In tal modo, gli Stati Membri hanno che abbiano ratificato la Convenzione possono verificare il tipo di misure che ci si possa aspettare da loro in virtù dell’obbligo generale enunciato nella parte A, come pure le misure che non sarebbe necessariamente esigere. Per esempio, la Norma A4.1 prescrive che tutte le navi debbano premettere un rapido accesso ai farmaci necessari per l’assistenza medica a bordo delle navi (paragrafo 1 b)) e che «qualsiasi nave abbia una farmacia di bordo» (paragrafo 4 a)). Per adempiere in totale buona fede a quest’obbligo, chiaramente non basta disporre semplicemente di una farmacia a bordo di ogni nave. Una più precisa indicazione di ciò che è necessario per garantire che il contenuto della farmacia sia adeguatamente conservato, utilizzato e mantenuto, figura nella Linea guida B4.1.1 (paragrafo 4).

10. Gli Stati Membri che hanno ratificato la Convenzione non sono vincolati alle Linee guida indicate e, com’è precisato nel titolo circa 5 a proposito del controllo dello Stato del porto, le ispezioni mireranno alle disposizioni pertinenti (articoli, Regolamenti e Norme della parte A). Tuttavia, gli Stati Membri sono tenuti, ai sensi del paragrafo 2 dell’articolo VI, a prendere in debita considerazione l’adempimento degli obblighi che gravano su di loro ai sensi della parte A del Codice secondo le modalità contemplate nella parte B. Dopo aver preso debitamente in considerazione le Linee guida corrispondenti, essi possono decidere di prendere disposizioni diverse per il deposito, l’uso e la manutenzione del contenuto della farmacia, per prendere l’esempio già citato. Questo è accettabile. Tuttavia, se seguono le Linee guida della parte B, gli Stati Membri interessati, insieme con gli organi dell’OIL incaricati di controllare l’applicazione delle Convenzioni Internazionali del Lavoro, possono garantire senza un più ampio esame che le misure adottate dagli Stati Membri dimostrano che hanno adempiuto in modo adeguato agli obblighi enunciati nella parte A.

  Le norme e il codice

  Titolo 1: Prescrizioni minime per il lavoro dei marittimi a bordo di una nave

Regolamento 1.1 Età minima
Regolamento 1.2 Certificato medico
Regolamento 1.3 Formazione professionale e qualifiche
Regolamento 1.4 Reclutamento e collocamento

Scopo: Garantire che i marittimi abbiano accesso a un sistema di reclutamento e collocamento dei marittimi efficiente e ben regolamentato.

1. Tutti i marittimi devono potere avere accesso ad un sistema efficiente, adeguato e efficiente per trovare impiego a bordo di una nave senza spese a carico del marittimo.

2. I servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi che operano sul territorio di uno Stato Membro devono conformarsi alle Norme previste dal Codice.

3. Ogni Stato Membro deve esigere, riguardo ai marittimi in servizio sulle navi battenti la sua bandiera, che gli armatori, i quali fanno ricorso a servizi di reclutamento o collocamento dei marittimi, stabiliti nei Paesi o nei territori nei quali questa Convenzione non si applica, garantiscano che questi servizi si conformino alle prescrizioni previste nel Codice.

Norma A1.4 Reclutamento e collocamento

1. Ogni Stato Membro, che gestisce un servizio pubblico di reclutamento e collocamento dei marittimi, deve garantire che questo servizio sia gestito secondo le regole in modo tutelare e promuovere i diritti dei marittimi in materie di impiego come sono enunciati nella presente Convenzione.

2. Quando servizi privati di reclutamento e di collocamento dei marittimi, il cui oggetto principale è il reclutamento ed il collocamento dei marittimi ovvero che reclutino e collochino un numero non trascurabile di marittimi, operano sul territorio di uno Membro, essi devono esercitare la loro attività soltanto ai sensi di un sistema normativo di licenze, certificazioni o di altre forme di regolamentazione. Tale sistema deve essere istituito, modificato o cambiato soltanto previa consultazione delle organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate. In caso di dubbio circa il fatto che la presente Convenzione si applichi ad un sistema privato di reclutamento e collocamento, la questione deve essere risolta dall’autorità competente di ogni Stato Membro previa consultazione con le organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate. Non deve essere incoraggiata un’eccessiva proliferazione di servizi privati di reclutamento e collocamento dei marittimi.

3. Le disposizioni del paragrafo 2 della presente Norma devono trovare applicazione altresì, nella misura in cui l’autorità competente, di concerto con le organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate, ritiene che siano adatte, nel contesto dei servizi di reclutamento e collocamento gestiti dalle organizzazioni di marittimi sul territorio di uno Stato Membro per la fornitura di marittimi che siano cittadini di tale Stato Membro alle navi battenti la sua bandiera. I servizi oggetto del presente paragrafo sono quelli che soddisfano le seguenti condizioni:

a)
il servizio di reclutamento e di collocamento è gestito conformemente a un accordo di contrattazione collettiva conclusa tra quest’organizzazione ed un armatore;
b)
sia l’organizzazione dei marittimi che l’armatore hanno sede nel territorio dello Stato Membro;
c)
lo Stato Membro dispone di leggi o di regolamenti nazionali o di una procedura per autorizzare o registrare l’accordo di contrattazione collettiva che permetta il sfruttamento del servizio di reclutamento e collocamento; e
d)
il servizio di reclutamento e collocamento è gestito secondo le norme e sono poste in essere misure comparabili a quelle prescritte dal paragrafo 5 della presente Norma volte a proteggere e promuovere i diritti dei marittimi in materia di impiego.

4. Nulla nella presente Norma o nel Regolamento 1.4 deve essere interpretata in maniera da:

a)
impedire ad uno Stato Membro di garantire un servizio pubblico gratuito di reclutamento e collocamento dei marittimi nel quadro di una politica volta a rispondere alle esigenze dei lavoratori e degli armatori, che questo servizio faccia parte con un servizio pubblico di collocamento aperto all’insieme dei lavoratori e dei datori di lavoro o che agisca in coordinamento con quest’ultimo;
b)
imporre ad uno Stato Membro l’obbligo di istituire nel suo territorio un sistema per di gestione dei servizi privati di reclutamento e collocamento dei marittimi.

5. Ogni Stato Membro che adotti il sistema citato al paragrafo 2 della presente Norma deve, mediante sue leggi e regolamenti o altre misure, almeno:

a)
ostare a che i servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi ricorrano a mezzi, meccanismi o elementi intesi ad ostacolare od impedire che i lavoratori possano accedere ad un’occupazione per la quale possiedono le qualificazioni necessarie;
b)
proibire che tasse o altri oneri siano a carico dei marittimi, direttamente o indirettamente, in tutto o in parte, per il reclutamento, il collocamento o per il conseguimento di un’occupazione, oltre al costo che i marittimi devono assumersi al fine di ottenere un certificato medico nazionale obbligatorio, il libretto professionale nazionale dei marittimi ed un passaporto o altro documento personale di viaggio simile, eccetto, tuttavia, il costo dei visti che deve essere a carico dell’armatore; e
c)
garantire che i servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi che operano nel suo territorio:
i)
tengano a disposizione, ai fini dell’ispezione da parte dell’autorità competente, un registro aggiornato di tutti i marittimi reclutati o collocati per loro mediazione,
ii)
accertino che, prima o nel corso dell’impiego, i marittimi siano informati dei loro diritti e doveri enunciati nei loro contratti di arruolamento, e che siano prese disposizioni necessarie perché i marittimi possano esaminare i loro contratti di arruolamento prima e dopo della loro firma e perché una copia del contratto sia loro rimessa,
iii)
verifichino che i marittimi reclutati o collocati tramite la loro mediazione possiedano le qualificazioni necessarie e detengano i documenti necessari per l’occupazione in questione, e che i contratti di impiego marittimo siano conformi alle leggi, ai regolamenti applicabili e ad ogni accordo di contrattazione collettiva che faccia parte del contratto di arruolamento,
iv)
si assicurino, per quanto possibile, che l’armatore abbia i mezzi per evitare che i marittimi siano abbandonati in un porto straniero,
v)
esaminino e rispondano ad ogni reclamo concernente le loro attività ed avvisino l’autorità competente di ogni reclamo non risolto,
vi)
realizzino un sistema tutorio, mediante un’assicurazione o un’altra adeguata misura equivalente, mirante ad indennizzare i marittimi che abbia subito perdite pecuniarie nella quale possano incorrere per il fatto che il servizio di reclutamento e collocamento oppure il pertinente armatore soggetto al contratto di lavoro marittimo non abbiano onorato i loro obblighi nei loro confronti.

6. L’autorità competente deve attentamente sorvegliare e controllare tutti i servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi che operano sul territorio dello Stato Membro interessato. Ogni licenza o certificato o altra autorizzazione che permetta il funzionamento di servizi privati sul territorio è concessa o rinnovata solamente previa verifica che il servizio di reclutamento e collocamento interessato soddisfi le condizioni previste dalle leggi e dai regolamenti nazionali.

7. L’autorità competente deve garantire che sussistano adeguate meccanismi e procedure al fine di indagare, se necessario, sui reclami relativi alle attività dei servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi, con il concorso, se del caso, i rappresentanti degli armatori e dei marittimi.

8. Ogni Stato Membro che abbia ratificato la presente Convenzione deve, per quanto possibile, avvertire i suoi cittadini sui problemi che possono derivare dall’arruolamento su una nave battente la bandiera di uno Stato Membro che non abbia ratificato la presente Convenzione, fino a che non sia stabilito che trovino applicazione Norme equivalenti a quelle fissate dalla presente Convenzione. Le misure adottate a questo scopo dallo Stato Membro che abbia ratificato la Convenzione non devono essere in contrasto con il principio della libera circolazione dei lavoratori previsto dai trattati di cui i due Stati interessati possono essere parti.

9. Qualsiasi Stato Membro che abbia ratificato la presente Convenzione deve esigere che gli armatori delle navi battenti la sua bandiera, che utilizzano servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi stabiliti in Paesi o territori nei quali questa Convenzione non trova applicazione, garantiscano, per quanto possibile, che tali servizi rispettino le prescrizioni della presente Norma.

10. Nulla nella presente Norma ha per effetto di ridurre gli obblighi e delle responsabilità degli armatori o di uno Stato Membro in relazione alle navi battenti la sua bandiera.

Linea guida B1.4 Reclutamento e collocamento

Linea guida B1.4.1 Linee guida organizzative ed operative

1. Nell’adempiere ai suoi obblighi ai sensi del paragrafo 1 della Norma A1.4, l’autorità competente dovrebbe tenere in conto:

a)
di adottare le misure necessarie a promuovere un’effettiva cooperazione fra servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi, sia pubblici che privati;
b)
considerare, con la partecipazione degli armatori, dei marittimi e degli enti di formazione professionale interessati, le esigenze del settore marittimo, tanto a livello nazionale quanto internazionale, in occasione dello sviluppo dei programmi di formazione professionale per i marittimi che costituisce la parte dell’equipaggio della nave che ha responsabilità nella sicurezza della navigazione e nelle operazioni di prevenzione dell’inquinamento;
c)
di adottare disposizioni adeguate volte alla cooperazione delle organizzazioni rappresentative degli armatori e dei marittimi in ordine all’organizzazione e al funzionamento dei servizi pubblici di reclutamento e collocamento dei marittimi, là dove esistano;
d)
di determinare, tenendo debitamente conto del rispetto del diritto alla privacy e alla necessità di proteggere la riservatezza, le condizioni in ragione delle quali i dati personali dei marittimi possano essere trattati dai servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi, ivi incluse la raccolta, la conservazione, il controllo e la comunicazione di questi dati a terzi;
e)
di creare un meccanismo per la raccolta e l’analisi di tutte le informazioni pertinenti al mercato del lavoro marittimo, ivi comprese l’offerta attuale e prevedibile di lavoratori facenti parte dell’equipaggio, classificati in ragione di età, sesso, categoria e qualificazioni, come sulle esigenze del settore, considerando la raccolta dei dati sull’età o sul sesso ammissibile soltanto a fini statistici o se utilizzata nel quadro di un programma per la prevenzione di ogni discriminazione fondata sull’età o sul sesso;
f)
garantire che il personale responsabile della supervisione dei servizi pubblici e privati di reclutamento e collocamento dei marittimi, membri dell’equipaggio della nave con responsabilità concernenti la sicurezza della navigazione e le operazioni di prevenzione dell’inquinamento, abbia un’adeguata formazione professionale, inclusa in particolare un’esperienza di servizio marittimo riconosciuta, ed abbiano un’adeguata conoscenza del settore marittimo, inclusi gli specifici documenti marittimi internazionali in materia di formazione, certificazione di idoneità e norme di lavoro;
g)
prescrivere norme operative ed adottare codici di condotta e procedure etiche per i servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi; e
h)
esercitare un controllo del complesso di licenze e certificazioni nell’ambito di un sistema di norme di qualità.

2. Nell’istituire il sistema previsto paragrafo 2 della Norma A1.4, ogni Stato Membro dovrebbe tenere conto di esigere che i servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi, istituiti nei suoi territori, sviluppino e mantengano procedure operative verificabili. Tali procedure operative per i servizi privati di reclutamento e collocamento dei marittimi e, nella misura della loro applicabilità, per i servizi pubblici di reclutamento e collocamento, dovrebbero rivolgersi alle seguenti questioni:

a)
esami medici, documenti di identità dei marittimi e qualsiasi altra formalità che possano essere richiesti al marittimo per ottenere l’impiego;
b)
la tenuta, con il dovuto riguardo al rispetto del diritto alla privacy e della necessità di proteggere la riservatezza, di un’ampia e completa documentazione dei marittimi coperti dal loro sistema di reclutamento e collocamento, che dovrebbe includere almeno le seguenti informazioni:
i)
le qualificazioni dei marittimi,
ii)
i loro stati di servizio,
iii)
i dati personali pertinenti all’impiego, e
iv)
i dati medici pertinenti all’impiego;
c)
la tenuta di elenchi aggiornati delle navi alle quali i servizi di reclutamento e collocamento del marittimo forniscono personale e la garanzia che esista un mezzo per contattare questi servizi in caso di urgenza in qualsiasi momento;
d)
procedure volte a garantire che i servizi d’assunzione e di collocamento dei marittimi o il loro personale non sfruttino i marittimi quando si tratta di ottenere un impiego a bordo di specifiche navi o da parte di specifiche compagnie;
e)
procedure volte ad impedire le possibilità di sfruttamento dei marittimi derivanti dal problema del pagamento di anticipi sul salario o qualsiasi altra operazione finanziaria conclusa fra armatore e marittimi trattatadai servizi di reclutamento e collocamento dei marittimi;
f)
la necessità di pubblicizzare chiaramente i costi che il marittimo dovrà eventualmente sostenere nel processo di reclutamento;
g)
la necessità di vigilare a ciò che i marittimi siano informati di ogni eventuale condizione particolare applicabile al posto di lavoro per il quale saranno impiegati e delle specifiche politiche dell’armatore relative al loro impiego;
h)
procedure stabilite per la trattazione dei casi di incompetenza o indisciplina conformemente ai principi del diritto naturale, alla legislazione ed alla pratica nazionali e, quando applicabile, ai contratti collettivi;
i)
procedure atte a garantire, per quanto possibile, che tutta la certificazione e la documentazione obbligatoria presentate dalla gente di mare per ottenere un’occupazione siano aggiornate e non siano state ottenute fraudolentemente e che siano verificate le referenze di lavoro;
j)
le procedure atte garantire che richieste di informazioni e notizie da parte dei familiari dei marittimi quando questi ultimi sono in navigazione siano affrontate sollecitamente, con comprensione e senza spese;
k)
la verifica che le condizioni di lavoro a bordo delle navi sulle quali sono impiegati i marittimi siano conformi agli accordi della contrattazione collettiva applicabili conclusi fra un armatore e un’organizzazione rappresentativa dei marittimi e, quale linea di condotta, la messa a disposizione dei marittimi solo a quegli armatori che offrono termini e condizioni di impiego ai marittimi che siano conformi alle disposizioni di legge o ai regolamenti o ai contratti collettivi applicabili.

3. Dovrebbe essere valutata l’opportunità di incoraggiare la cooperazione internazionale fra gli Stati Membri e le organizzazioni interessate, in particolare per quanto riguarda:

a)
lo scambio sistematico di informazioni sul industria e sul mercato del lavoro marittimi su base bilaterale, regionale e multilaterale;
b)
lo scambio di informazioni sulla legislazione del lavoro marittimo;
c)
la armonizzazione delle politiche, dei metodi di lavoro e della legislazione che disciplinano l’assunzione ed il collocamento dei marittimi;
d)
il miglioramento delle procedure e delle condizioni del reclutamento e del collocamento dei marittimi sul piano internazionale; e
e)
la pianificazione della manodopera, tenendo conto della domanda e dell’offerta dei marittimi e delle esigenze dell’industria marittima.

  Titolo 2: Condizioni di impiego

Regolamento 2.1 Contratti di arruolamento dei marittimi
Regolamento 2.2 Salari
Regolamento 2.3 Ore di lavoro e ore di riposo
Regolamento 2.4 Diritto alle ferie
Regolamento 2.5 Rimpatrio
Regolamento 2.6 Indennizzo del marittimo in caso di perdita o di naufragio della nave
Regolamento 2.7 Livelli di organico
Regolamento 2.8 Sviluppo della carriera e delle attitudini professionali ed opportunità di impiego dei marittimi

Scopo: Promuovere lo sviluppo della carriera, delle attitudini professionali e le opportunità di impiego dei marittimi

1. Ogni Stato Membro deve avere linee di politica nazionali dirette a promuovere l’occupazione nel settore marittimo e ad incoraggiare l’avanzamento di carriera e delle attitudini professionali e maggiori opportunità di impiego per i marittimi domiciliati nel suo territorio.

Norma A2.8 Sviluppo della carriera e delle attitudini professionali ed opportunità di impiego dei marittimi

1. Ogni Stato Membro deve avere linee di politica nazionali dirette ad incoraggiare lo sviluppo della carriera e delle attitudini professionale e le opportunità di impiego dei marittimi, al fine di dotare il settore marittimo di una manodopera stabile e competente.

2. Lo scopo delle linee politiche citate nel paragrafo 1 della presente Norma deve essere quello di contribuire a potenziare le competenze, qualificazioni ed opportunità di impiego dei marittimi.

3. Ogni Stato Membro, previa consultazione delle organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate, deve fissare obiettivi chiari in materia di orientamento, di istruzione e formazione professionale dei marittimi le cui mansioni a bordo della nave riguardano principalmente la sicurezza delle operazioni e della navigazione, incluso l’addestramento in corso.

Linea guida B2.8 Sviluppo della carriera e delle attitudini professionalied opportunità di impiego dei marittimi

Linea guida B2.8.1 Misure per promuovere la carriera e le attitudini professionali e le opportunità di impiego dei marittimi

1. Le misure da adottare per raggiungere gli obiettivi enunciati nella Norma A2.8 potrebbero includere, in particolare, le seguenti:

a)
accordi previsti per lo sviluppo della carriera e la formazione professionale conclusi con un armatore o con un’organizzazione di armatori; oppure
b)
provvedimenti volti a promuovere l’occupazione per mezzo della creazione e l’aggiornamento di registri oppure elenchi, per categorie, di marittimi qualificati; oppure
c)
promozione di opportunità, sia a bordo che a terra, per perfezionare la formazione e l’istruzione dei marittimi con l’obiettivo di promuovere lo sviluppo delle loro attitudini professionali e delle competenze trasferibili, allo scopo di assicurare e mantenere un’occupazione adeguata, migliorare le prospettive individuali di occupazione ed adattarsi all’evoluzione tecnologica e alle condizioni del mercato del lavoro del settore marittimo.

Linea guida B2.8.2 Registro dei marittimi

1. Nel caso in cui registri od elenchi regolino l’occupazione dei marittimi, questi registri o elenchi dovrebbero includere ogni categoria professionale dei marittimi nel modo determinato dalla legislazione o dalla pratica nazionale o dai contratti collettivi.

2. I marittimi inseriti in questo registro o elenco dovrebbero avere priorità di arruolamento per il lavoro marittimo.

3. La gente di mare iscritta in tale registro o tale elenco dovrebbe tenersi prestiti da lavorare secondo modalità che la legislazione o la pratica nazionali o le convenzioni collettive determineranno. I marittimi inseriti in questi registri o elenchi dovrebbero essere disponibili per lavorare nel modo determinato dalla legislazione o dalla pratica nazionale o dai contratti collettivi.

4. Nei limiti di quanto consentito dalle leggi o dai regolamenti nazionali, il numero dei marittimi in questi registri o elenchi dovrebbe essere periodicamente soggetto a revisione per fissarlo ai livelli adeguati alle necessità del settore marittima.

5. Quando una riduzione del numero dei marittimi in tali registri o elenchi diventa necessaria, dovrebbero essere adottate tutte le misure appropriate per prevenire o ridurre al minimo gli effetti pregiudizievoli sui marittimi, tenendo debito conto della situazione economica e sociale della nazione interessata.


  Titolo 3: Alloggi, strutture ricreative, vitto e servizio di catering

Regolamento 3.1 Alloggi e strutture ricreative
Regolamento 3.2 Vitto e servizio di catering

Scopo: Garantire ai marittimi un’alimentazione di buona qualità, compresa l’acqua potabile, servita nel rispetto di condizioni igieniche stabilite

1. Ogni Stato Membro deve assicurare che le navi battenti la sua bandiera trasportino a bordo e servano prodotti alimentari ed acqua potabile di buona qualità, il cui valore nutrizionale e la quantità soddisfino adeguatamente le esigenze delle persone a bordo, tenendo conto delle diverse appartenenze culturali e religiose.

2. Ai marittimi a bordo di una nave dev’essere fornito gratuitamente cibo fino alla fine del loro impiego.

3. I marittimi ingaggiati come cuochi di nave con la responsabilità della preparazione del cibo devono avere la formazione e le qualifiche che si esigono per esercitare questa funzione a bordo della nave.

Norma A3.2 Vitto e servizio di catering

1. Ogni Stato Membro deve adottare leggi e regolamenti o altri provvedimenti per garantire le norme minime riguardanti la quantità e la qualità dell’alimentazione e dell’acqua potabile e le norme relative al servizio di catering, che si applicano ai pasti serviti ai marittimi a bordo delle navi battenti la sua bandiera e deve impegnarsi, mediante attività educative, a promuovere la conoscenza e la applicazione delle norme previste nel presente paragrafo.

2. Ogni Stato Membro deve garantire che le navi battenti la sua bandiera osservino le seguenti norme minime:

a)
una sufficiente scorta di alimenti e di acqua potabile, di valore nutritivo, qualità e varietà soddisfacenti, tenuto conto del numero dei marittimi a bordo, delle loro esigenze religiose e delle loro pratiche culturali in materia alimentare e della durata e natura del viaggio,;
b)
la sistemazione e l’attrezzatura del servizio di cucina e di catering deve essere in grado di consentire la fornitura ai marittimi di pasti adeguati, variati e nutritivi, preparati e serviti in condizioni igieniche soddisfacenti; e
c)
il personale del servizio di cucina e di catering deve essere adeguatamente formato ed istruito per l’esercizio delle sue funzioni.

3. Gli armatori devono assicurare che i marittimi ingaggiati come cuochi della nave siano addestrati, qualificati e provvisti della qualifica e della competenza per esercitare questa funzione conformemente alle disposizioni delle leggi e dei regolamenti dello Stato Membro interessato.

4. Le prescrizioni di cui al paragrafo 3 della presente Norma devono includere la necessità di seguire un corso di formazione professionale approvato o riconosciuto dall’autorità competente, riguardante la prova pratica di cucina, l’igiene alimentare e personale, la conservazione degli alimenti, la gestione delle scorte, e la tutela dell’ambiente e l’igiene e la sicurezza del servizio di cucina e di catering.

5. A bordo delle navi che operano con un organico prescritto inferiore a dieci persone, le quali, a causa delle dimensioni dell’equipaggio o dell’area di navigazione, possono non essere obbligate dall’autorità competente ad avere a bordo almeno un cuoco pienamente qualificato, si dovrebbe impartire formazione o istruzione a tutte le persone che preparano i prodotti alimentari in cucina nell’ambito delle aree collegate all’igiene alimentare e personale, così come riguardo al confezionamento ed immagazzinamento dei prodotti alimentari a bordo della nave.

6. In circostanze di estrema necessità, l’autorità competente può emanare una dispensa che autorizzi un cuoco non pienamente qualificato a servire su una determinata nave per un determinato periodo di tempo limitato, fino al successivo porto di passaggio o per un periodo non superiore a un mese, a condizione che la persona alla quale la dispensa è concessa abbia ricevuto una formazione o un’istruzione nelle aree di programma che comprendono l’igiene alimentare e personale così come il trattamento e l’immagazzinamento dei prodotti alimentari a bordo di una nave.

7. In conformità con la vigente procedura prevista al Titolo 5, l’autorità competente deve esigere che ispezioni documentate frequenti siano compiute a bordo della nave, dal capitano o con la sua autorizzazione, in riferimento ai seguenti settori:

a)
le scorte di prodotti alimentari ed acqua potabile;
b)
ogni spazio ed impianto usato per l’immagazzinamento ed il trattamento dei prodotti alimentari e dell’acqua potabile;
c)
la cucina di bordo ed ogni altro impianto utilizzato per la preparazione ed il servizio dei pasti.

8. Nessun marittimo di meno di 18 anni deve essere impiegato o ingaggiato o lavorare come cuoco della nave.

Linea guida B3.2 Vitto e servizio di catering

Linea guida B3.2.1 Ispezione, addestramento, ricerche e pubblicazioni

1. L’autorità competente, in cooperazione con altri enti ed organizzazioni competenti, dovrebbe raccogliere informazioni aggiornate sull’alimentazione e sui metodi di acquisto, di deposito, di conservazione dei prodotti alimentari, come pure sul modo di preparare e servire i pasti, tenuto conto delle specificità del servizio di catering a bordo di una nave. Queste informazioni dovrebbero essere a disposizione, gratuitamente oppure ad un costo ragionevole, dei produttori e dei commercianti specializzati nella fornitura di prodotti alimentari o di materiale per il servizio di catering, dei i capitani, dei camerieri di bordo ed i cuochi della nave e per le organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate. A tal fine, dovrebbero essere usate appropriate forme di pubblicità, come manuali, opuscoli, manifesti, grafici o avvisi sui giornali specialistici.

2. L’autorità competente dovrebbe formulare raccomandazioni per evitare spreco di prodotti alimentari, per facilitare il mantenimento di un corretto livello di igiene, e garantire un’organizzazione del lavoro ottimale.

3. L’autorità competente dovrebbe impegnarsi con enti ed organizzazioni competenti a elaborare materiale didattico ed informazioni da diffondere a bordo, concernenti i metodi atti a garantire un’alimentazione e servizi di catering soddisfacenti.

4. L’autorità competente dovrebbe lavorare in stretta cooperazione con le organizzazioni degli armatori e dei marittimi interessate e con gli enti nazionali o locali che si occupano delle questioni alimentari e della salute; dovrebbe poter utilizzare, quando necessario, i servizi di tali autorità.

Linea guida B3.2.2 Cuochi delle navi

1. Dovrebbero essere qualificati come cuochi di bordo solamente i marittimi che soddisfino le seguenti condizioni:

a)
avere prestato servizio in mare per il periodo minimo fissato dall’autorità competente che potrebbe variare in funzione delle qualificazioni o delle esperienze pertinenti che possegga l’interessato;
b)
abbiano superato un esame prescritto dall’autorità competente o un esame equivalente al termine di un corso di formazione professionale riconosciuto per cuochi.

2. L’esame prescritto può essere condotto ed i certificati corrispondenti possono essere rilasciati direttamente dall’autorità competente oppure, sotto il suo controllo, da una scuola per la formazione professionale dei cuochi riconosciuta.

3. L’autorità competente dovrebbe provvedere al riconoscimento, se appropriati, dei certificati di capacità di cuoco di bordo rilasciati da un altro Stato Membro, che abbia ratificato la presente Convenzione oppure la Convenzione sulla Certificazione dei Cuochi di Bordo (n. 69) del 1946, oppure da un’altra istituzione riconosciuta.


  Titolo 4: Tutela della salute, assistenza medica, assistenza sociale e protezione della sicurezza sociale

Regolamento 4.1 Assistenza medica a bordo della nave e a terra
Regolamento 4.2 Responsabilità degli armatori
Regolamento 4.3 Tutela della salute e della sicurezza e prevenzione degli infortuni
Regolamento 4.4 Accesso ai servizi di assistenza sociale posti a terra
Regolamento 4.5 Sicurezza sociale

Scopo: Garantire l’adozione di misure volte dare accesso ai marittimi alla protezione in materia di sicurezza sociale

1. Ogni Stato Membro deve garantire che tutti i marittimi e, nella misura prevista nella sua legislazione nazionale, le persone a loro carico beneficino della tutela della sicurezza sociale conforme al Codice, senza pregiudizio, tuttavia, delle condizioni maggiormente favorevoli previste al paragrafo 8 dell’articolo 19 della Costituzione dell’OIL.

2. Ogni Stato Membro si impegna ad adottare provvedimenti, in funzione della sua situazione nazionale, a titolo individuale come nell’ambito della cooperazione internazionale, per ottenere progressivamente una tutela completa della sicurezza sociale dei marittimi.

3. Ogni Stato Membro deve garantire che i marittimi soggetti alla sua legislazione in materia di sicurezza sociale e, nella misura prevista dalla sua legislazione nazionale, le persone a loro carico, abbiano diritto ad una tutela della sicurezza sociale non meno favorevole di quella di cui godono i lavoratori impiegati a terra.

Norma A4.5 Sicurezza sociale

1. I rami da prendere in considerazione allo scopo di realizzare progressivamente una tutela completa della sicurezza sociale prevista dal Regolamento 4.5 sono: le cure mediche, le indennità di malattia, le indennità di disoccupazione, le pensioni di vecchiaia, indennità in caso di infortuni sul lavoro, gli assegni familiari, le indennità di maternità, le pensioni di invalidità e le indennità di sopravvivenza, che integrano la tutela prevista dal Regolamento 4.1, sulle cure mediche, e dal Regolamento 4.2, sulla responsabilità degli armatori, come pure gli altri titoli della presente Convenzione.

2. All’atto della ratifica, la tutela prevista da ogni Stato Membro conformemente al paragrafo 1 del Regolamento 4.5 deve includere almeno tre dei nove rami elencati al paragrafo 1 della presente Norma.

3. Ogni Stato Membro deve adottare le misure necessarie, in funzione della sua situazione nazionale, per fornire la tutela complementare della sicurezza sociale contemplata nel paragrafo 1 della presente Norma a tutti i marittimi residenti normalmente nel suo territorio. Questo impegno potrebbe essere soddisfatto, per esempio, in virtù di opportuni accordi bilaterali o multilaterali in materia o di sistemi fondati su contributi. La tutela risultante non deve essere meno favorevole di quella di cui fruiscono i lavoratori di terra residenti sul territorio dello Stato Membro in questione.

4. Nonostante l’attribuzione della responsabilità indicata al paragrafo 3 della presente Norma, gli Stati Membri possono stabilire, in virtù di accordi bilaterali e multilaterali o mediante provvedimenti adottati nel contesto delle organizzazioni regionali di integrazione economica, altre norme concernenti la legislazione della sicurezza sociale applicabile ai marittimi.

5. Le responsabilità di ogni Stato Membro nei confronti dei marittimi a bordo delle navi battenti la sua bandiera devono includere quelle previste dai Regolamenti 4.1 e 4.2 e dalle relative disposizioni del Codice, nonché quelle che sono inerenti ai suoi obblighi generali ai sensi del diritto internazionale.

6. Ogni Stato Membro deve prendere in considerazione le varie modalità con cui, conformemente alle leggi ed alla pratica nazionali, in assenza di un’adeguata copertura nei rami citati al paragrafo 1 della presente Norma, i marittimi potranno usufruire di indennità comparabili.

7. La tutela di cui al paragrafo 1 del Regolamento 4.5 può, secondo il caso, essere prevista da leggi e regolamenti, da sistemi privati, da accordi della contrattazione collettiva o da una loro combinazione.

8. Nei limiti di conformità con le loro leggi e la pratica nazionali, gli Stati Membri devono cooperare, mediante accordi bilaterali o multilaterali o altre intese, per garantire il mantenimento dei diritti relativi alla sicurezza sociale, previsti mediante sistemi contributivi o non contributivi, acquisiti o in corso di acquisizione, da parte di tutti i marittimi, indipendentemente dal loro luogo di residenza.

9. Ogni Stato Membro deve definire equi ed efficaci procedure per la risoluzione delle controversie.

10. Ogni Stato Membro, all’atto della ratifica, deve specificare i rami per i quali la tutela è garantita, conformemente al paragrafo 2 della presente Norma. Quando provvede alla tutela della sicurezza sociale in merito ad uno o più degli altri settori previsti al paragrafo 1 della presente Norma, deve successivamente notificare al Direttore Generale dell’Ufficio Internazionale del Lavoro, che deve tenere un registro di queste informazioni e deve renderlo accessibile ad ogni parte interessata.

11. I rapporti presentati dell’Ufficio Internazionale del Lavoro ai sensi dell’articolo 22 della Costituzione dell’OIL devono, inoltre, includere informazioni riguardanti i provvedimenti adottati conformemente al paragrafo 2 del Regolamento 4.5 per estendere la tutela ad altri settori.

Linea guida B4.5 Sicurezza sociale

1. La tutela garantita all’atto della ratifica, conformemente al paragrafo 2 della Norma A4.5, dovrebbe almeno riguardare i settori dell’assistenza medica, delle indennità per malattia professionale o delle indennità in caso di infortunio sul lavoro.

2. Nelle circostanze specificate al paragrafo 6 della Norma A4.5, indennità comparabili possono essere offerte mediante assicurazioni, accordi bilaterali o multilaterali od altri provvedimenti adeguati, tenendo conto delle disposizioni degli accordi della contrattazione collettiva applicabili. Nel caso in cui tali provvedimenti siano adottati, i marittimi protetti da queste misure dovranno essere informati dei mezzi dei quali i vari settori della protezione della sicurezza sociale saranno forniti.

3. Nel caso in cui i marittimi siano soggetti a più di una legislazione nazionale in materia di sicurezza sociale, gli Stati Membri interessati dovrebbero cooperare allo scopo di determinare con accordi reciproci quale legislazione sia applicabile, tenendo conto di fattori come il tipo ed il livello di tutela secondo le rispettive legislazioni che siano maggiormente favorevoli ai marittimi interessati, come anche della preferenza di questi.

4. Le procedure previsti dal paragrafo 9 della Norma A4.5. dovrebbero essere concepite in modo da includere tutte le dispute relative ai reclami dei marittimi interessati, senza tener conto del modo in cui la garanzia è garantita.

5. Ogni Stato Membro avente marittimi nazionali o non, oppure entrambi, in servizio sulle navi battenti la sua bandiera dovrebbe provvedere alla tutela della sicurezza sociale prevista dalla presente Convenzione, come applicabile, e dovrebbe rivedere periodicamente i rami della tutela della sicurezza sociale di cui al paragrafo 1 della Norma A4.5, allo scopo di individuare ogni ulteriore ramo che sia a vantaggio dei marittimi interessati.

6. Il contratto di arruolamento dei marittimi dovrebbe indicare le modalità con i quali l’armatore offrirà ai marittimi protezione nei diversi rami della sicurezza sociale, come ogni altra relativa informazione di cui dispone l’armatore, come le trattenute obbligatorie dai salari dei marittimi ed i contributi degli armatori che possono essere imposti, conformemente alle prescrizioni stabilite da specifici enti autorizzati, secondo gli schemi dei regimi nazionali di sicurezza sociale applicabili.

7. Lo Stato Membro, di cui la nave batte bandiera, nell’esercizio effettivo della sua giurisdizione in materia sociale, dovrebbe assicurarsi che gli obblighi degli armatori in materia di tutela della sicurezza sociale siano osservati, in particolare per ciò che riguarda il versamento dei contributi agli enti di sicurezza sociale.


  Titolo 5: Adempimento e applicazione delle disposizioni

1. I Regolamenti contenuti nel presente Titolo specificano la responsabilità di ogni Stato Membro quanto al pieno rispetto e all’attuazione dei principi e dei diritti enunciati negli articoli della presente Convenzione come anche degli obblighi specifici previsti nei Titoli 1, 2, 3 e 4.

2. È stato, altresì, sottolineato che i paragrafi 3 e 4 dell’articolo VI, che consentono la attuazione delle disposizioni della parte A del Codice con disposizioni sostanzialmente equivalenti, non si applicano alla parte A del Codice del presente Titolo.

3. Conformemente al paragrafo 2 dell’articolo VI, ogni Stato Membro dovrà adempiere alle sue responsabilità previste dai regolamenti nel modo indicato nelle Norme corrispondenti della parte A del Codice, dando la debita considerazione alle corrispondenti Linee guida nella parte B del Codice.

4. Le disposizioni del presente Titolo devono essere applicate tenendo presente che i marittimi e gli armatori, come ogni altra persona, sono uguali dinanzi alla legge ed hanno diritto ad una uguale tutela giuridica e non devono essere soggetti a discriminazione per quello che riguarda l’accesso alle corti, ai tribunali o ad altri meccanismi di risoluzione delle dispute. Le disposizioni del presente Titolo non determinano attribuzione di competenza materiale o territoriale.

Regolamento 5.1 Responsabilità dello Stato di bandiera
Regolamento 5.1.1 Principi generali
Regolamento 5.1.2 Autorizzazione delle organizzazioni riconosciute
Regolamento 5.1.3 Certificato di lavoro marittimo e dichiarazione di conformità del lavoro marittimo
Regolamento 5.1.4 Ispezione ed applicazione
Regolamento 5.1.5 Procedure di reclamo a bordo
Regolamento 5.1.6 Sinistri marittimi
Regolamento 5.2 Responsabilità dello Stato del porto
Regolamento 5.2.1 Ispezioni nei porti
Regolamento 5.2.2 Procedure di trattazione a terra dei reclami dei marittimi
Regolamento 5.3 Responsabilità del fornitore di manodopera
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